Neues DFG-Schwerpunktprogramm zu magnetischen Formgedächtnislegierungen
Unter dem Titel "Änderung von Mikrostruktur und Form fester Werkstoffe durch äußere Magnetfelder" wird die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) ab Frühjahr 2006 ein neues Schwerpunktprogramm fördern, das sich über einen Zeitraum von sechs Jahren erstreckt und von Dr. Sebastian Fähler, IFW Dresden, koordiniert werden wird.
Dresden 2005-07-13Magnetische Formgedächtnislegierungen haben die interessante
Eigenschaft, ihre Form zu ändern, wenn ein äußeres Magnetfeld angelegt
wird. Dabei können Dehnungen von bis zu 10 % erreicht werden. Dies ist
ein 100-mal größerer Wert als bei Piezokeramiken, den herkömmlichen
Aktuatorwerkstoffen. Ein wesentlicher Vorteil der magnetischen
Formgedächtnislegierungen ist außerdem die schnelle und präzise
Reaktion auf die äußere Steuerung durch Magnetfelder. Diese hohe
Dynamik verbunden mit der großen Dehnung eröffnet neue Perspektiven
beim Aufbau aktiver Systeme, mit denen Bewegung und Kraft in einer
Maschine erzeugt wird, z.B. zur Positionierung optischer Bauelemente
oder zur Bewgung von Motoren. Aufgrund der einzigartigen Eigenschaften
von magnetische Formgedächtnislegierungen werden elektromechanische
Strukturen effizienter und kompakter, da das Material selbst die
Aufgabe einer Maschine übernimmt.
Funktionsprinzip
Der magnetische Formgedächtniseffekt kann in bestimmten magnetischen
Materialien auftreten, bei denen die Magnetisierung bevorzugt in einer
Kristallrichtung orientiert ist. Die zweite Voraussetzung sind leicht
bewegliche Zwillingsgrenzen in den Kristallen, die Bereiche
spiegelbildlicher Kristallorientierung miteinander verbinden. Die damit
verbundene Änderung der Kristallorientierung führt zur Längenänderung
des Werkstoffs. Die bekanntesten Legierungen mit solchen Eigenschaften
bestehen aus Nickel, Mangan und Gallium bzw. aus Eisen und Palladium.
In üblichen ferromagnetischen Materialien führt eine Drehung des
Magnetfeldes nur zu einer Drehung der Magnetisierung, ohne dass sich
die Kristallorientierung ändert.
Initiatoren
Die Initiative zur Einrichtung des neuen Schwerpunktprogramms 1239
"Änderung von Mikrostruktur und Form fester Werkstoffe durch äußere
Magnetfelder" ging von Prof. L. Schultz (IFW Dresden), Prof. W. Petry
(TU München), PD E. Quandt (Stiftung caesar), Prof. K. Samwer (U.
Göttingen), Prof. E. F. Wassermann (U. Duisburg-Essen) und Prof. J.
Hesselbach (TU Braunschweig) aus. Nach der öffentlichen Ausschreibung,
die voraussichtlich im September 2006 erfolgen wird, können
Wissenschaftler aus ganz Deutschland Anträge auf Förderung für zunächst
2 Jahre stellen.
Informationsveranstaltung
Im Vorfeld der Ausschreibung findet am 19. und 20. September 2005 ein
sogenanntes Kick-off-Meeting im IFW Dresden statt, um den thematischen
Rahmen des Programms abzustecken und die Projektvorschläge zu
diskutieren. Hierfür ist eine Anmeldung bis zum 1.9.2005 beim
Koordinator erforderlich.
Weitere Informationen:
Dr. Sebastian Fähler
Koordinator SPP 1239
IFW Dresden
PF 27 01 16
01171 Dresden
Tel. (0351) 4659 588
eMail: s.faehler@ifw-dresden.de