Neues Verfahren für Plastik-Transistoren
Der sonst eher unerwünschte Effekt des Unterätzens wird für ein neues Verfahren zur Herstellung von Plastik-Transistoren genutzt. Unschlagbarer Vorteil: geringe Kanallängen unter 1 Mikrometer
Dresden 2004-07-06
Ein neuartiges Verfahren zur Herstellung von Polymertransistoren mit
kleinen Kanallängen nutzt den bekannten und sonst unerwünschten Effekt
des Unterätzens aus. Es wurde gemeinsam von Forschern der Technischen
Universität Ilmenau, dem Institut für Festkörper- und
Werkstoffforschung Dresden (IFW) und dem California Institute of
Technology (Caltech) entwickelt.
Dabei wird zunächst eine 50 nm dicke Goldschicht aufgedampft und
photolithographisch grob vorstrukturiert. Im anschließenden Ätzprozess
wird nun nicht nur das vom Photolack unbedeckte Gold weggeätzt, sondern
auch ein sehr schmaler Streifen unterhalb der Ränder des Photolacks.
Nach einer weiteren Gold-Beschichtung und anschließendem Entfernen der
Photoschicht bleiben schmale Kanäle in der Goldschicht zurück, die nun
mit dem leitfähigen Polymer gefüllt werden und den Transistor bilden.
Auf diese Weise lassen sich Kanallängen von unter 1 Mikrometer
herstellen. Die so hergestellten Transistoren zeigen eine hervorragende
Funktionstüchtigkeit. Neben dem Unterätzprozess werden nur relativ
wenige und einfache Prozesse verwendet, die in der Mikroelektronik
etabliert sind. Die Strukturen können auch auf flexiblem Substrat
(Druckerfolie) hergestellt werden.
Es eröffnet sich damit die Perspektive zur Herstellung
anwendungsfähiger All-Polymer-Schaltkreise, wobei gegenüber der
Silizium- Technologie drei teure Prozesse entfallen: Die Herstellung
der Silizium-Wafer, Hochauflösende Lithographie, und sämtliche
Hochtemperaturprozesse. Noch zu lösende Problem sind der Übergang zu
einem dünnen Isolator und die Reduzierung von parasitären Kapazitäten.
Hintergrund: Plastikelektronik und Kanallänge
An der Entwicklung einer Plastik- oder Polymerelektronik wird weltweit intensiv geforscht. Angestrebt werden Anwendungen, die wirtschaftlich mit der Silizium-Mikroelektronik nicht möglich sind. Die Schaltkreise sollen nur eine geringere Komplexität aufweisen und nur einige Hundert Transistoren auf einem Chip enthalten. Aber sollen flexibel sein und müssen extrem kostengünstig zu produzieren sein. Anwendungsbeispiele sind elektronische Wasserzeichen z.B. auf Geldscheinen, Ansteuerung flexibler organischer Displays, Ersetzen des Barcode durch sogenannte smart cards, elektronisch beschreibbares Papier. Kommerziell sind aber bisher noch keine Produkte verfügbar. Trotz der geringeren Anforderungen an die Schaltkreise müssen diese noch genügend schnell sein, ihre Taktfrequenz muss einen minimalen Wert erreichen. Dazu müssen die Ladungsträger in dem Polymer eine hohe Beweglichkeit haben und eine hohe Geschwindigkeit erreichen. Und was noch wichtiger ist: der Abstand der Elektroden, zwischen denen der Strom fließt, die sogenannte Kanallänge, muss klein sein. Aus der erforderlichen Taktfrequenz und der erreichbaren Beweglichkeit bei einer kostengünstigen Abscheidung der Polymerschicht ergibt sich, dass die Kanallänge kleiner sein muss als ein Mikrometer. Das in der Silizium-Technologie verwendete Lithographieverfahren herstellen, ist für die Polymerelektronik viel zu teuer. In vielen Labors wird deswegen an Drucktechniken gearbeitet. Trotz der jüngsten Erfolge auf diesem Gebiet, erreichen die Massendruckverfahren bisher nicht die erforderlichen geringen Abmessungen.
Weitere Auskünfte
Prof. Dr. Gernot Paasch
IFW Dresden
PF 27 00 16
01171 Dresden
Tel.: 0351 / 46 59 700
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