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Oliver G. Schmidt vom IFW Dresden erhält den Gottfried Wilhelm Leibniz-Preis 2018

14.12.2017

Der Physiker und Nanowissenschaftler Professor Dr. Oliver G. Schmidt vom Leibniz-Institut für Festkörper- und Werkstoffforschung Dresden erhält den Gottfried Wilhelm Leibniz-Preis der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) 2018. Bei der Auszeichnung handelt es sich um den wichtigsten Forschungsförderpreis in Deutschland. Er ist mit einem Preisgeld von 2,5 Millionen Euro verbunden, das für künftige Aktivitäten in der Forschung vorgesehen ist.


Prof. Dr. Oliver G. Schmidt, Leibniz-Institut für Festkörper und Werkstoffforschung Dresden (Foto: privat)

Prof. Dr. Oliver G. Schmidt (46) leitet seit 2007 das Institut für Integrative Nanowissenschaften am Leibniz-Institut für Festkörper- und Werkstoffforschung Dresden (IFW) und ist Professor an der TU Chemnitz. Er leistet vielbeachtete Pionierarbeit an den Grenzen von Physik, Chemie, Biophysik und Mikroelektronik. Besonders bekannt geworden ist Oliver G. Schmidt mit der Entwicklung von selbstangetriebenen Mikromotoren, die durch ein elegantes Aufrollverfahren von Nanomembranen auf einem Chip hergestellt werden. Oliver G. Schmidt ist Vorreiter für eine Reihe von visionären Anwendungen mit unterschiedlicher Ausrichtung. Zum Beispiel konnte er mit seiner Gruppe zeigen, dass geschickt gewickelte und sich um die eigene Achse drehende Mikromotoren für eine nicht-invasive in-vivo Mikrochirurgie in Frage kommen. Unter dem Begriff „Spermbots" hat kürzlich eine Entwicklung von Oliver G. Schmidt und seiner Gruppe weltweites Aufsehen erregt. Sie statteten einzelne Rinderspermien mit magnetischen Mikrostrukturen und Mikromotoren aus und schufen eine völlig neue Möglichkeit für eine künstliche Befruchtung. Seine Arbeiten haben ein Wettrennen um die leistungsfähigsten biologischen, hybriden und künstlichen Maschinen auf der Mikro-/Nanometerskala angestoßen.

Oliver G. Schmidt und seiner Gruppe gelingt es immer wieder, neue Forschungsfelder der Nanotechnologie zu erschließen und sehr schnell deren konkretes Anwendungspotential aufzuzeigen. So konnte seine Gruppe eine Vielzahl von ultra-kompakten aufgerollten Bauelementen mit unterschiedlichen Funktionalitäten erstmals experimentell realisieren bzw. theoretisch beschreiben. Dazu gehören monolithisch integrierte vertikale Ringresonatoren und optofluidische Sensoren, sich selbst wickelnde Kondensatoren, integrierte Schaltkreise und Antennen, sowie optische Metamaterial-Fasern und „Lab-in-a-tube" Systeme. 

Ein weiteres Gebiet, das von Oliver G. Schmidt und seiner Gruppe vorangetrieben wird, sind selbstorganisierte Quantenpunkte, die in elastischen Nanomembranen eingebettet sind. Mit dieser Technik kann man die weltweit schnellsten verschränkten Photonenquellen erzeugen, die darüber hinaus in der Wellenlänge einstellbar und auf einem Siliziumsubstrat integrierbar sind – ein wesentlicher Schritt auf dem Weg zu einer Mikrochip-basierten Quanten­kommunikation.

Der Gottfried Wilhelm Leibniz-Preis wird es Oliver G. Schmidt ermöglichen, seine innovativen Ideen unbürokratisch und in großer wissenschaftlicher Freiheit umzusetzen. Oliver G. Schmidt ist einer von 11 Ausgezeichneten, die den Gottfried Wilhelm Leibniz-Preis 2018 erhalten. Sie waren zuvor vom zuständigen Nominierungsausschuss der DFG aus 136 Vorschlägen ausgewählt worden. Das Preisgeld von jeweils 2,5 Millionen Euro kann bis zu sieben Jahre lang nach ihren eigenen Vorstellungen und ohne bürokratischen Aufwand für ihre Forschungsarbeit verwendet werden. Verliehen werden die Leibniz-Preise 2018 am 19. März 2018 in Berlin.

Begründung der DFG: Der Leibniz-Preis für Oliver G. Schmidt würdigt seine herausragenden Arbeiten zur Erforschung, Herstellung und innovativen Anwendung funktioneller Nanostrukturen. Der studierte Physiker ist ein Pionier auf dem Gebiet der aufgerollten Nanoröhrchen und bewegt sich mit seiner Arbeit zwischen den Fachgebieten Physik, Chemie, Werkstoffwissenschaften, Elektronik und Mikrosystemtechnik. Er arbeitet daran, selbstorganisierte, dreidimensionale Nanostrukturen auf einem Chip zu integrieren. Hierfür hat Schmidt eine Technik entwickelt, um nanometerdünne Schichten so zu spannen, dass eine vielseitige Strukturierung der Materialien nun auch im dreidimensionalen Raum möglich ist. Die grundlagenwissenschaftlichen Erkenntnisse seiner Forschungsarbeiten hat Schmidt selbst in zahlreiche neue Anwendungen in der Photonik, Sensorik, Medizin und in der Umweltverfahrenstechnik überführt oder aber den Weg dafür aufgezeigt. Dazu zählt die Herstellung von Mikromotoren, Ringresonatoren, optofluidischen Sensoren und von Kondensatoren.

Zur Person: Oliver G. Schmidt wurde 1999 an der TU Berlin promoviert und arbeitete anschließend als wissenschaftlicher Mitarbeiter am Max-Planck-Institut für Festkörperforschung in Stuttgart. Nach einem Forschungsaufenthalt an der University of Southern California kehrte er als Forschungsgruppenleiter nach Stuttgart zurück, um sich dann an der Universität Hamburg zu habilitieren. 2007 wurde er als Professor für Materialsysteme der Nanoelektronik an die TU Chemnitz berufen und gleichzeitig Direktor des Instituts für Integrative Nanowissenschaften am Leibniz-Institut für Festkörper- und Werkstoffforschung Dresden.

Kontakt:
Prof. Dr. Oliver G. Schmidt
E-Mail: o.schmidt@ifw-dresden.de
Tel. 0351 4659 800

Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
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E-Mail: c.lange@ifw-dresden.de
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